


Als angedachtes Luxusprodukt führte Columbia 1898 ein eigenes Walzenformat mit 5" im Durchmesser ein. Diese sog. Grand Graphophone Walzen benötigten entsprechende Phonographen und boten ebenfalls nur die gleiche Aufnahmekapazität von 2 bis 3 Minuten. Durch die erhöhte Oberflächengeschwindigkeit wurde die Wiedergabelautstärke und Klangfülle deutlich verbessert. Edison zog ein Jahr später mit seinen Concert-Walzen nach. Das Format konnte sich aber nicht etablieren. Der Preis betrug teilweise über das Doppelte einer Standardwalze und auch die Handhabung war umständlicher. Mit Einführung der Goldgußwalzen war der Klangvorteil auch nicht mehr gegeben und die separate Produktion wurde ebenfalls 1902 eingestellt. Auch andere Hersteller wie Lambert, Pathé (Frankreich) oder Edison-Bell (England) boten für einige Jahre Concert-Walzen an, blieben aber auch entsprechend erfolglos. Besitzer von Concert-Phonographen konnten jedoch noch 1909 Walzen aus den aktuellen Katalogen bestellen, diese waren dann aber nur noch pantographische Kopien einer Standardwalze, natürlich so ohne Klangvorteile.

Gebrauch und Handhabung
Braune Wachswalzen sind besonders empfindlich, denn als direktbespielte Walzen ist das Wachs weicher als das der späteren Gold-/Hartgußwalzen aus schwarzem Wachs. Auf Phonographen sollten diese Walzen möglichst wenig gespielt werden, da sie sich vergleichsweise schnell abnutzen und sich so der Rauschabstand merklich verringert. Im Effekt wird die Aufnahme also mit jedem Abspielvorgang konsequent leiser. Vieler dieser Walzen haben daher oder auch schon durch die unausgereifte Aufnahmetechnik eine sehr geringe Wiedergabelautstärke. Hier bietet sich die Digitalisierung mittels moderner Abtastsysteme mit deutlich geringerem Auflagegewicht an.
Ab einer Umgebungstemperatur von über 25°C sollten diese Walzen nicht auf einem Phonographen abgespielt werden, da sich die Abnutzung bei Wärme deutlich erhöht.
Für das mechanische Abspielen mit einem Edison-Phonographen darf nur eine geeignete Schalldose verwendet werden. Generell eigenen sich für braune Wachswalzen die Schalldosen vom Typ Automatic und Model B (nicht Diamond B!). Spätere Schalldosen wie die weit verbreitete Model C haben einen ungeeigneten Saphir in Türknaufform und sollten ebenso wie Model K, H und O nicht mit braunen Wachswalzen verwendet werden! Vergewissern Sie sich unbedingt vor dem ersten Test, da der Gebrauch einer falschen Schalldose im schlimmsten Fall bereits beim ersten Versuch einen bleibenden Schaden an der Walze hinterläßt!
Aufgrund der langen Produktionsspanne finden sich sämtliche denkbaren Abspielgeschwidgkeiten vor, die in nahezu allen Fällen zwischen 90 und 185 UpM liegen. Oft liegt die passende Geschwindigkeit jedoch zwischen 120-160 UpM. Obgleich es häufige Standardgeschwindigkeiten von 120, 125, 140, 144 und 160 UpM gab, so sind diese gerade bei braunen Wachswalzen eher willkürlich gewählt. Für eine genaue Justage bedarf es eines guten Gehörs und geduldiger Tonlagenvergleiche. Nicht selten ergeben sich so korrekte Umdrehungsgeschwindigkeiten von beispielsweise 136 UpM.
Ein Problem
welches alle Wachswalzen betrifft ist der Befall durch Schimmelpilze.
Dieser wird durch Feuchtigkeitsstau in der Walzenbox bzw. allgemeinem
"Kellerklima" stark begünstigt. Problematisch ist der Schimmelbefall,
weil der Pilz sich meist auf der Rillenoberfläche niedergelassen hat
und sich dort vom Wachs ernährt. Dabei werden die befallenen
Rillenbereiche unwiederbringlich zerstört und hinterlassen eine
mikroskopische Mondlandschaft. Bei der Wiedergabe ist ein deutliches
Kratzen oder Rauschen zu vernehmen. In der Regel ist der Schimmelpilz
bereits abgestorben und nicht mehr wiederbelebbar. Pilzsporen sind
jedoch praktisch allgegenwärtig und eine Wachswalze läßt sich auch
nicht sterilisieren. Deshalb es sollte tunlichst auf allgemeines
Wohnraumklima geachtet und den Walzen eine gewisse
Lüftungsmöglichkeit
gegeben werden, indem der Deckel einer Walzenbox nicht vollständig
geschlossen wird. Alternativ bieten sich kleine Päckchen mit
Feuchtfresser (sog. Silica Gel) an. Diese können mit der Walze in ihrer
verschlossenen Box aufbewahrt werden und verhindern so aktiv die
Feuchtigkeitsbildung. Schimmelpilzbefall erkennt man leicht an
hellbraunen bis weißen Flecken (siehe Abbildung). Bei sehr starkem
Befall kann auch die gesamte Walzenoberfläche einen derartigen Belag
aufweisen. Bei entsprechendem Raumklima ist die Aufbewahrung einer
Walze in deren Originalbox bei entsprechendem Zustand unproblematisch.
Für besondere Zwecke sind auch neue Archiv-Boxen aus säurefreiem Karton
erhältlich. Diese eignen sich aber in der Regel nicht für den Transport.